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Der
Fredersdorfer Taubenturm
lfd.Nr. 68/07 vom
25.06.2007 Autor: Dieter Kromphardt
Die
äußere Hülle des Taubenturmes ist fertiggestellt,
dazu eine Drainage für das Regenwasser. Am 1.Juli
2007 konnte der Heimatverein zusammen mit dem
Männerchor “Eiche 1877“ und dem Blasorchester der
Freiwilligen Feuerwehr zu einem „Turmfest“ einladen,
das überraschend gut besucht war.
Schon
einige Monate vorher fiel der Taubenturm auf dem
ehemaligen Gutsgelände – bis dahin den meisten
unbekannt – den Einheimischen ins Auge, da wir ihn
vom Wildwuchs junger Bäume befreit hatten. Für die
nötige Aufmerksamkeit sorgte die örtliche Presse mit ihren Vor- und Zwischenberichten.
Ein
Taubenturm war im 18. und 19. Jahrhundert ein
gängiger Bestandteil eines Gutshofes oder eines
großen Bauernhofes. Er konnte – so auch hier –
repräsentativ gestaltet werden. Im Obergeschoss
wurden die Tauben gehalten und konnten dort aus-
und einfliegen. Zu ebener Erde wurde Kleinvieh
gehalten und waren zwei Trockentoiletten eingebaut.
Unser
Taubenturm stand damals ziemlich in der Mitte des
Wirtschaftshofes des Gutes, das zum Schloss gehörte,
aber von einem Inspektor verwaltet wurde oder
zeitweise verpachtet war. Errichtet ist er nach den
bisherigen Befunden um 1850/60. Noch vorhanden ist
das Eisenge-stänge, an dem einst eine Glocke hing,
die den Gutsarbeitern Arbeitsbeginn, -pausen und
–ende anzeigte.
Zur
Zeit der DDR unterstand der Gutshof der LPG
Vogelsdorf. Ein Teil der Ställe und die Wohn-gebäude
wurden noch genutzt, aber es begann schon der
Verfall. Der Erhalt des Taubenturms ist einer
Eigeninitiative von Klaus Graap, einem damaligen
Hausbewohner, ab 1967 zu verdanken, der hier seine
Tiere hielt und das eingestürzte Dach auf eigene
Kosten ersetzte. (Allerdings nach Abtragung der
obersten, maroden Ziegelschichten).
Der
Verfall beschleunigte sich nach der Wende, als der
ehemalige Kuhstall, der als Reifenlager genutzt
wurde, 1992 ausbrannte, ein Großfeuer, an das sich
die Zeugen gut erinnern. Der danach größtenteils
ungenutzte Hof verkam mehr und mehr und wurde
teilweise zum Abstellen von Autowracks und zur Müllab-lagerung missbraucht. Dann wurde auf einem
Teil des Geländes der „Katharinenhof am Dorfanger“
errichtet. Investitionspläne für den übrigen Teil
zerschlugen sich.
Auch damals drängte schon der
Heimatverein auf Erhalt und Rekonstruktion des
Taubenturms sowie mindestens eines Teils der übrigen
Gebäude.
Als sie endgültig vom Abriss
bedroht waren, ergriff der Heimatverein die
Initiative und beantragte den Denkmalschutz. Nachdem
er den Ortsentwicklungs- und Bauausschuss bei einem
Ortstermin davon überzeugt hatte, stimmte auch die
Gemeindevertretung diesem Antrag zu. Daraufhin
stellte die obere Denkmalbehörde des Landes
Brandenburg den größten Teil der Gebäude unter
Schutz. Daraus ergibt sich nun aber auch eine
Pflicht zur Erhaltung.
Noch
einmal war die Initiative
des Heimatvereines
nötig, damit
als erstes Gebäude der markanteTaubenturm gerettet wurde. Dabei hatten wir
insofern Glück, als er ( im Unterschied zu den
übrigen Gebäuden ) größtenteils auf
einem Grundstück der Gemeinde steht.
Die
Gemeindevertretung stellte Haushaltsmittel zur
Verfügung, wobei aber von vornherein einkalkuliert
wurde, dass der Heimatverein durch Spenden
und Sachleistungen von Bürgern und Firmen sowie
Eigenleistungen der Vereinsmitglieder einen
Teil der Kosten übernimmt.
Eine Arbeitsförderungsgesellschaft wurde in
Vorbereitungsarbeiten
eingebunden. Die Bauleitung wurde dem Heimatverein
übertragen. Dies wäre nicht möglich
gewesen, wenn uns nicht in der Dozentin Dipl. Ing.
Hannelore Korth eine exzellente
vorlageberechtigte Fachfrau zur Verfügung gestanden
hätte, die die Federführung übernahm. Sie hatte
schon im Vorfeld zweimal
Belegarbeiten zu diesem
Thema an Studenten vergeben, deren Arbeiten direkt
in die Planung einflossen.
Die Baufirma Schwonke aus
Petershagen konnte die z.T. schwierigen Sanierungs-
und Rekon-struktionsarbeiten in wenigen Monaten
ausführen. Auch das Innere ist im wesentlichen
fertig, es fehlt v.a. noch die Stiege zum
Obergeschoss. Ein kleiner, heller Ausstellungsraum
ist entstanden.
Gerade
noch rechtzeitig war uns ein Foto von 1960 in die
Hände geraten, das den Beweis lieferte, wie der
obere Abschluss des Turmes und das Dach vor 1967
gestaltet waren, so dass wir uns daran ausrichten
konnten.
Auch die Spendenwerbeaktion „Rettet den Taubenturm“
verlief erfolgreich.
Wir hoffen natürlich, dass die Überlegungen und
Verhandlungen zu Schweizerhaus (Inspektorhaus),
Speicher und Kuhstall ebenfalls zu sichtbaren
Ergebnissen führen, damit aus einem Schandfleck in
der Mitte unseres Ortes Schritt für Schritt wieder
ein Schmuckstück wird, das historische Bedeutung
hat, aber auch vielfältige Chancen zur kommunalen
Nutzung bietet.
Dieter Kromphardt (Vorsitzender
des Heimatvereines)
Einzelheiten zur Baulichkeit
des Taubenturmes sind, verbunden mit dem Beitrag „
Erlebte Kindheit im Fredersdorfer Pfarrhaus“ (um
1930) im Heft Nr. 7 der Schriftenreihe des
Heimatvereines veröffentlicht. Der Bezugspreis
beträgt 2.- €.
Sehr geehrte Leserinnen, sehr
geehrter Leser von Eiche und Vogel,
Kulturdenkmäler sind Zeugen
menschlicher Geschichte und Entwicklung, an deren
Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht. Auch
bei unserem Taubenturm handelt sich um ein
historisches und erhaltenswertes Objekt. In der
unmittelbaren Umgebung befinden sich noch Stallungen
und eine Scheune, die nach Klärung der
Eigentumsrechte und der Finanzierung aufwendig
restauriert und öffentlich zugängig gemacht werden
sollen. Hier ist unsere Unterstützung angesagt.
Auch Sie können dazu beitragen.
Das Spendenkonto lautet:
Heimatverein FV
Sparkasse
MOL
Konto 300 00 43 232
BLZ: 170 540 40
Stichwort: Eiche und Vogel
Ihr Alfred Weihs |